Behandlungskonzepte

Stationäre und ambulante Therapie & Rehabilitation bei Abhängigkeitserkrankungen

Das Behandlungskonzept des SHH steht auf vier Säulen:

1) Kombination von Milieutherapie und Psychotherapie
2) Verbleiben im Lebensumfeld (Stadtnähe)
3) Kurze stationäre Unterbringung bei hoher Eigenverantwortung
4) Opioid-Substitutionstherapie in allen Behandlungsphasen möglich

Das SHH war und ist stets darum bemüht sich flexibel an den Bedarf und die Bedürfnisse der KlientInnen anzupassen, seit Anbeginn der Einrichtung wurden unterschiedliche innovative Konzepte und Betreuungsansätze entwickelt, erprobt und etabliert. So war beispielsweise das SHH lange Zeit die einzige Einrichtung Europas in der außerhalb des Strafvollzugs Substitution in einem stationären Setting angeboten wurde. Für viele Drogenabhängige eine Gelegenheit, überhaupt in intensive Behandlung zu gelangen. Mittlerweile ist dieses Konzept aufgrund seiner Wirksamkeit und wissenschaftlichen Bestätigung breit akzeptiert und aus der Drogenbehandlungslandschaft nicht mehr wegzudenken. Das Abstinenzparadigma ist mittlerweile nicht mehr State of the Art in der Drogenbehandlung.

Das Modell des SHH versucht, psychologische und psychotherapeutische – an der Persönlichkeitsentwicklung orientierte – Drogenarbeit mit Modellen des sozialen Lernens
und des Erwerbs praktischer Lebenskompetenz zu kombinieren. Dabei ist die Entlastung
der PatientInnen durch Opioid-Substitutionstherapie ein wesentliches stabilisierendes
Element, das in allen Behandlungsphasen bei individueller Notwendigkeit zur Anwendung kommen kann. Es geht primär darum, die bei den Betroffenen vorhandenen,
und im Verlauf der Therapie erworbenen Kompetenzen zu fördern und ihnen die nötigen
Ressourcen an die Hand zu geben. Die flexibel angelegten Behandlungsverläufe orientieren sich an den wechselnden Bedürfnislagen der PatientInnen, um sowohl eine Unter-, wie auch eine Überversorgung zu vermeiden. Im Regelfall gliedert sich die Behandlung in eine drei bis sechs Monate dauernde stationäre Therapiephase und weitere drei bis sechs Monate Ganztägig ambulante Therapie, Abänderungen oder Verlängerungen dieser Vorgehensweise sind bei individueller Notwendigkeit möglich.
Neben Gruppen- und Einzelinterventionen ist ein zentraler Aspekt, die Vermittlung von
Alltagskompetenz, die Förderung der Lebensqualität und die Gesundheitsförderung. Der
milieu- sowie sozialtherapeutisch orientierte Behandlungsansatz ermöglicht selbständiges Arbeiten und Wohnen in begleiteter Form. Es geht somit nicht nur um ein suchtfreies oder suchtstabiles Leben – mit Substitution, wo Abstinenzorientierung nicht im Vordergrund steht -, sondern auch um Alltagserfahrungen und das Einüben eines „normalen Alltags“ inklusive risikoarmer Konsummuster. Ziel ist daher nicht nur die Konsumfreiheit, sondern ein selbstbestimmtes Leben ohne mit gesellschaftlichen Normen massiv in Konflikt zu kommen. Das Konzept des SHH berücksichtigt, dass es neben einer abstrakten Reflexion der Abhängigkeitserkrankung zu einer schrittweisen Implementierung und intensiven Erprobung der erlernten Bewältigungsmechanismen in der Lebensrealität der Betroffenen kommt. Diese intensive Erprobung im therapeutischen Rahmen ist
mit dem Behandlungsangebot der Ganztägig ambulanten Therapie in das Konzept des SHH integriert. Die Integration der KlientInnen in einen normalen Alltag soll möglichst rasch stattfinden, also die Zeit der von der Außenwelt abgeschotteten stationären Therapie eher kurz sein, dafür muss im Anschluss an die stationäre Behandlung eine dichte und nachgehende Behandlung und Betreuung der KlientInnen gewährleistet sein.

Eine einmal wöchentliche ambulante Einzeltherapie ist oftmals für die krisenanfällige
Zeit des Überganges nach der stationären Therapie nicht ausreichend, dafür wurde im
SHH die dezentrale Betreuungsform (Ganztägig ambulante Therapie) aufgegriffen, basierend auf international bewährten Modellen der ambulanten Sucht-Tagesklinik, wo
KlientInnen bereits in einer eigenen Wohnung oder auf einem bereitgestellten Wohnplatz
leben, aber weiterhin im therapeutischen Programm integriert bleiben. Eine gesicherte
Wohnperspektive und Beschäftigung für die Zeit danach gehören dazu. International in
der ambulanten Betreuung Abhängiger seit langem gebräuchlich, ist dieser Zugang in
der Suchtarbeit in Österreich eher selten. Ein strukturierter Alltag nach dem stationären
Setting hilft, die Zeit der Erprobung und Wiedereingliederung in einem geschützten Rahmen zu bewältigen und Stabilität zu erlangen.

Nachgehende Sozialarbeit und strukturierte Beschäftigung unterstützen die Rückkehr ins Alltagsleben. Bei Krisen – und die können Teil jedes gelingenden Heilungsprozesses sein – ist die flexible Rückkehr in den stationären Bereich vorgesehen. Es geht im Prinzip darum, die Bereiche so zu vernetzen, dass es für die KlientInnen sehr vielfältige Hilfen bei einem möglichst hohen eigenen Entscheidungsspielraum gibt. Das Konzept eines stufenweisen Übergangs und die Umsetzung in der Struktur einer Ganztägig ambulanten Therapie ermöglichen ein hohes Maß an Selbständigkeit bei gleichzeitig dichter Betreuung und die Integration von möglichen Bruchstellen in den Prozess der Behandlungsverläufe. Damit kann mit einer kurz- bis mittelfristigen Therapie bei den meisten KlientInnen mehr erreicht werden, als mit einer stationären Langzeittherapie.

Stationäre und Ambulante Therapie bei Drogenabhängigkeit