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Vatertag

SCHWEIZER HAUS HADERSDORF
Stationäre und ambulante Therapie bei Abhängigkeiterskrankungen

Am Eingang zum Wienerwald, in einer alten Villa an der Mauerbachstraße, liegt das Schweizer Haus Hadersdorf, einer Einrichtung zur stationären und ambulanten Behandlung bei Abhängigkeitserkrankungen. Seit der Gründung 1997 ist das SHH mit Unterstützung von Bezirk, Kirchen und vieler aufgeschlossener Anwohner zum integrierten Teil des Bezirkslebens geworden.

Entscheidend sind die innovativen Ansätze des SHH, ausgehend von den Bedürfnissen der Betroffenen. Der Standort ist Konzept, denn Stadtnähe und gute Erreichbarkeit erhalten den Kontakt mit der Familie, viele Ausgänge die Erprobung des therapeutischen Fortschritts. Das SHH war und ist stets darum bemüht sich flexibel an den Bedarf und die Bedürfnisse der KlientInnen anzupassen, seit Anbeginn der Einrichtung wurden unterschiedliche innovative Konzepte und Betreuungsansätze entwickelt, erprobt und etabliert. So war beispielsweise das SHH lange Zeit die einzige Einrichtung in Europa, in der außerhalb des Strafvollzugs  Substitution in einem stationären Setting angeboten wurde, für viele Drogenabhängige eine Gelegenheit, überhaupt in intensive Behandlung zu gelangen.  Mittlerweile ist dieses Konzept aufgrund seiner Wirksamkeit und wissenschaftlichen Akzeptanz breit akzeptiert und aus der Drogenbehandlungslandschaft nicht mehr wegzudenken.

Die therapeutische Behandlung im Schweizer HausHaderdorf ist auf  kurz- bis mittel­fristi­ge Betreuungen ausgerichtet. Die auf insgesamt ein Jahr angelegte Therapie unterteilt sich in sechs Monate stationäre beziehungsweise erweitert stationäre Therapie und sechs Monate dezentrale Behandlung in der ambulanten Sucht-Tagesklinik.diagramm_therapie_white Daran schließt auf Wunsch die Weiterbehandlung mit einmal wöchentlicher ambulanter Einzeltherapie an. Ärztliche und psychotherapeutische Versorgung, Sozialarbeit, Beschäftigung, Sport und Freizeit sind Grundlagen zur Gesundung, unterschiedlich für Männer und Frauen. Wichtig sind die Vermittlung von Alltagsfertigkeiten bei Wohnen, Gesundheit oder im Umgang mit Geld. Die Integration der KlientInnen in einen normalen Alltag soll möglichst rasch stattfinden, also die Zeit der von der Außenwelt abgeschotteten stationären Therapie eher kurz sein, dafür muss im Anschluss an die stationäre Behandlung eine dichte und nachgehende Behandlung und Betreuung der KlientInnen gewährleistet sein. Eine einmal wöchentliche ambulante Einzeltherapie ist oftmals für die krisenanfällige Zeit des Überganges nach der stationären Therapie nicht ausreichend. Dafür wurde im SHH die dezentrale Betreuungsform entwickelt, wo KlientInnen bereits in einer eigenen Wohnung oder auf einem bereitgestellten Wohnplatz leben, aber weiterhin im therapeutischen Programm integriert bleiben. Eine gesicherte Wohnperspektive und Beschäftigung für die Zeit danach gehören dazu. Seit 2011 besteht die Erweiterung um eine ambulante Sucht-Tagesklinik, was eine erhöhte Selbständigkeit und Selbstverantwortung bei gleichzeitig intensiver Begleitung ermöglicht. International in der ambulanten Betreuung Abhängiger seit langem gebräuchlich, ist dieser Zugang in der Suchtarbeit in Österreich eher selten. Ein strukturierter Alltag nach dem stationären Setting hilft, die Zeit der Erprobung und Wiedereingliederung in einem geschützten Rahmen zu bewältigen und Stabilität zu erlangen.  Nachgehende Sozialarbeit und strukturierte Beschäftigung unterstützen die Rückkehr ins Alltagsleben. Bei Krisen – und die können Teil jedes gelingenden Heilungsprozesses sein – ist die flexible Rückkehr in den stationären Bereich vorgesehen.

Heute beherbergt das SHH in kleinen Wohngruppen rund 35 stationäre PatientInnen, ebensoviele in WGs und auf betreuten Wohnplätzen. Weitere sind in ambulanter Behandlung, ausgehend von der Vorbetreuungsstelle im 5. Bezirk. Durch eine dichte Nachbetreuung in der dezentralen Phase kann mit einer kurz- bis mittelfristigen Therapie bei den meisten KlientInnen mehr erreicht werden, als mit einer stationären Langzeittherapie.

Besonderheiten des Behandlungskonzeptes

Folgende Schwerpunktsetzungen zeichnen die therapeutische Behandlung im Schweizer Haus Hadersdorf aus:

Flexibilität

Es gibt keine sogenannte Betreuungskette, die KlientInnen sollten im Regelfall das gesamte Therapieprogramm durchlaufen, können aber auch direkt in die dezentrale oder andere ambulante Betreuungsformen einsteigen. Die Zeiten in einer Phase richten sich nach den individuellen Bedürfnissen und dem Zustandsbild, Quereinstiege sind möglich, die Übergänge erfolgen schrittweise und gleitend. Im Krisenfall ist der kurzfristige Wechsel zurück ins stationäre Setting jederzeit möglich, ohne dass die therapeutische Kontinuität unterbrochen wird.

Förderung der Lebensqualität und Alltagskompetenz

Ein zentraler Aspekt ist die Förderung der Lebensqualität. Es geht um die Vermittlung von Alltagskompetenz, das heißt Gesundheitsförderung, (Wieder-)Erlernen der Techniken des alltäglichen Lebens, Kreativität, Bildung und Freizeitgestaltung. Dazu gehört auch politische Bildung und Aktivierung, rechtliches Grundwissen, Kenntnisse über das Sozialsystem und daraus erwachsende Rechte. Gleichwertig mit Beschäftigungsprojekten gibt es dazu ein breites Kursangebot.

Gesundheitsförderung

Die allgemeinmedizinische und psychiatrische Behandlung und Betreuung erfolgt in der eigenen Ambulanz, die als Krankenanstalt gem. §5 WrKAG geführt wird, es sind auch Teilentzüge möglich. Substituierte und nicht-substituierte PatientInnen werden in allen medizinischen Aspekten von der Ambulanz des SHH versorgt. Darüber hinaus gibt es eine Reihe gesundheitsförderlicher Angebote, von gesundheitspsychologischen Behandlungsmaßnahmen, über Yoga und Massage bis zu einem umfangreichen Sport- und Freizeitprogramm.

Umfangreiche Behandlungs- und Betreuungsmaßnahmen in allen Phasen

Während der gesamten Behandlung gibt es verschiedene Angebote für Gruppen- und Einzeltherapien, klinisch-psychologische Behandlung sowie durchgehende sozialarbeiterische Unterstützung, wie beispielsweise bei Fragen der Schuldenregulierung, fremdenrechtlichen Angelegenheiten und vielem mehr. Zusätzlich gibt es ein breites indikationsspezifisches Angebot, von der Entspannungsgruppe über Maßnahmen zur Gewaltprävention bis hin zu Deutschkursen für KlientInnen nicht-deutscher Muttersprache.

Schnittstellenmanagement

Der Übergang von einer Therapiephase in eine andere ist in jeder Drogentherapie stets belastend und birgt das Risiko von Krisen und Rückfällen. Das Modell des SHH beinhaltet einen gleitenden Wechsel zwischen den Phasen, bei denen die KlientInnen in der Phase der Neuorientierung und Strukturierung des Alltags möglichst lückenlos unterstützt und bei Krisen aufgefangen werden können.

Nachgehende Betreuung

Ein Hauptmerkmal in der dezentralen Therapiephase ist die nachgehende hochfrequente Betreuung, um durch intensive soziale Begleitung die KlientInnen in der oftmals schwierigen Phase nach der Entlassung aus der stationären Therapie in Behandlung zu halten und zu unterstützen. Dafür wurde ein spezielles Programm entwickelt (APM = Aktives Patienten Management) dessen zentrale Funktion es ist, die Pat zu stützen und ihnen dabei zu helfen die Möglichkeiten des SHH (Wohnung, Beschäftigung, Freizeit etc.) zu nutzen.

Wohnversorgung

Während der stationären Therapie sind die KlientInnen in kleinen Wohngruppen untergebracht, in der dezentralen Phase stehen eigene WGs und betreute Wohnplätze in Wien zur Verfügung. Die Versorgung für die Zeit nach der Behandlung läuft über verschiedene Schienen, die allen KlientInnen die Erlangung eines eigenen Wohnplatzes ermöglichen soll. Neben der Zusammenarbeit mit dem Verein Wobes werden die KlientInnen beim Erlangen einer eigenen Gemeindewohnung unterstützt. Da dies oft mit Wartezeiten verbunden ist, werden in vom SHH angemieteten Wohngemeinschaften Wohnplätze zur Verfügung gestellt.

Beschäftigung und Eintritt in den Arbeitsmarkt

In allen Behandlungsphasen gibt es einen strukturierten Tagesablauf mit Beschäftigung, während der stationären Phase gibt es dafür eine Vielzahl an eigenen Werkstätten und Beschäftigungsprojekten.
In der dezentralen Therapiephase ist das Ziel die Reintegration in den normalen Arbeitsmarkt. Da dies oft mit großen Hürden verbunden ist, werden die KlientInnen mit Hilfe eigener Beschäftigungswerkstätten und –programmen in dieser Übergangssituation versorgt, bis sie einen Platz in einem Kurs des Arbeitsmarktservice, in einem Sozialökonomischen Betrieb oder einen eigenen Arbeitsplatz haben. Eine zentrale Rolle spielt die ambulante Sucht-Tagesklinik des SHH, sie ermöglicht auch in der dezentralen Phase eine klare Tagesstruktur mit durchgehender therapeutischer, ärztlicher und sozialarbeiterischer Versorgung. Die KlientInnen wohnen bereits selbständig, werden aber nachgehend betreut. Bei der Arbeitssuche werden die KlientInnen aktiv unterstützt und begleitet.

Reintegration

Nach Ablauf eines Jahres sollen die KlientInnen in eine normale Wohn- und Arbeitssituation wechseln können. Dies schließt nicht aus, dass sich einige weiterhin noch in Substitutionsbehandlung befinden oder die betreute Wohnphase in einigen Fällen auch länger dauern kann.

Quereinstieg

Je nach individuellem Bedarf oder je nach gerichtlicher Auflage ist ein Quereinstieg direkt in die dezentrale Phase oder in eine Ambulante Einzeltherapie möglich.

Niederschwelligkeit

Mit einem vergleichsweise niederschwelligen Konzept gelingt es, auch jenen suchtkranken Menschen eine intensive therapeutische Behandlung zu ermöglichen, die sonst oft nicht oder nicht mehr erreicht werden.

Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten zu den unterschiedlichen Behandlungsbereichen oder den konkreten Behandlungsangeboten.