shh schweizer haus hadersdorf

HISTORISCHE DATEN ZUR LIEGENSCHAFT EZ16, CHR. 16, KG HADERSDORF

1829 – 1856 Besitzer Kübau.

1856 – 1858 Besitzer Derchich.

1878 Kauf Weihs Maximilian Ritter von Wellenstein.

Familie Gerngross: Alfred Abraham Gerngross * 1844 in Fürth und † 7.1.1908 in Wien, verheiratet mit Emma Betty Elisabeth Gerngross (geb. Sichel). Sie hatten 8 Kinder.
1881 etablierten Alfred Gerngross und sein Bruder Hugo ihr bereits seit den 1870er Jahren bestehendes Tuchgeschäft in der Mariahilfer Straße 44 – 46, das sich zunächst zu einem Gemischtwarenhandel und schließlich zu Wiens größtem Warenhaus entwickeln sollte.

1899 Kauf Alfred Gerngross († 7.1.1908, danach Alleineigentümerin Emma Gerngross). Seiner großen Familie (8 Kinder) war die Stadtwohnung zu klein geworden.

1919 Kauf Albert Gerngross.

1933 Adaptierung, Vermerk im Bausachen-Register (1932 – 35), 52/1937.

1938 – 1945 Deportation oder Flucht der Familie Gerngross.
Einem Teil der Familie gelang die Emigration in die Schweiz und überließ die Liegenschaft dem Hilfswerk der Evanglischen Kirchen der Schweiz (HEKS).

bis 1945 Kommandozentrale der deutschen Luftwaffe. 1945 – 1946 Lazarett der russischen Armee.

Februar 1947 Eröffnung als Waisenheim, getragen vom HEKS – Hilfswerk der Evanglischen Kirchen der Schweiz.
10.12.1948, Zl.1057, Kaufvertrag und Aufsandungsurkunde: Eigentumsrecht einverleibt für den „Verein zur Förderung des Hilfswerkes der Evangelischen Kirchen der Schweiz – HEKS“ mit Nutzungsklausel für soziale Zwecke.
In dieser Zeit war die Evangelische Kirche in Österreich mit dem Elend unzähliger Menschen, vor allem alleinstehender Kinder, konfrontiert. Das HEKS (Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz) erkannte die Not und pachtete das Haus mit dem wunderschönen Park von seinem schweizerischen Besitzer Gerngross und bewerkstelligte nach wenigen Wochen im Februar 1947 die Eröffnung des Hauses als Heimstätte für 45 unterernährte Kinder aus Flüchtlingslagern.

1949 konnte das HEKS das Haus käuflich erwerben und baulich vergrößern. Dazu kam eine Ausbildungstätte für Säuglingsschwestern. Der organisatorische und finanzielle Hintergrund des HEKS blieb noch Jahrzehnte erhalten, waren es doch weitgehend Schweizer und Schweizerinnen, die den Betrieb des Hauses ermöglichten. Nachdem die Gemeinde Wien schließlich wieder soweit war, die Versorgung von Waisenkindern vollumgänglich selbst zu bewerkstelligen, sah das HEKS seine Aufgabe als erfüllt an und wandte sich neuen Hilfsprojekten in anderen Ländern zu.

1971 begann ein neuer Abschnitt für das Haus. Es wurde – finanziell weiterhin vom HEKS getragen – Tagungsstätte für die Evangelischen Gemeinden der Diözese Wien und darüber hinaus. Zunächst übernahmen zwei erfahrene Leiterinnen des Kinderheimes die Führung des Hauses. Dann war es ein schweizerisch-deutsches Pfarrerehepaar, das die geistliche Leitung des Hauses ehrenamtlich über zwei Jahrzehnte innehatte. In dieser Zeit geschah vieles an Bildungsarbeit, vor allem an Weiterbildung in allen Bereichen der Evangelischen Kirche. Wichtig waren damals auch Begegnungen mit Kirchenvertretern aus der DDR, Ungarn und Rumänien. Wenn das Haus frei war, nützten auch andere Organisationen das Haus.

1996 wollte sich das HEKS von der Villa mit dem Park trennen. Die Evangelische Kirche Österreichs sah sich finanziell aber nicht in der Lage, Haus und Park zu kaufen. Schließlich entschloss sich der Evangelische Waisenversorgungsverein EWV Haus und Garten zu erwerben.

1997 Gründung als „Evangelisches Haus Hadersdorf – Wobes, Medizinische, Psychologische und Psychotherapeutische Gesundheits- und Heilstätte Schweizer Haus Hadersdorf (SHH) GmbH“ durch den Evangelischen Waisenversorgungsverein EWV und den Verein Wobes als gemeinnützige Einrichtung zur Therapie und Reintegration von drogenkranken Menschen.

1998 August, Eröffnung als Einrichtung für stationäre, dezentrale und ambulante Drogentherapie. Das SHH ist anerkannt gem. § 15 SMG, die Ambulanz wird als Krankenanstalt gem. § 5 WrKAG geführt.
Das SHH ist die einzige stationäre Therapieeinrichtung innerhalb Wiens. Es verfolgte von Beginn an innovative Ansätze, ausgehend von den Bedürfnissen der Betroffenen. Der Standort ist Konzept, gute Erreichbarkeit erhalten den Kontakt mit der Familie, Ausgänge ermöglichen die Erprobung des therapeutischen Fortschritts. Dazu kommt der niederschwellige Ansatz, auch jene aufzunehmen, die in anderen Einrichtungen nicht oder nicht mehr genommen wurden. Lange war es die einzige Einrichtung Österreichs, wo Substitution auch stationär angeboten wird, für viele Drogenabhängige eine Gelegenheit, überhaupt in intensive Behandlung zu gelangen.

Quellen:
Recherche und Zusammenstellung bis 1945: Regine Rebernig-Ahamer, 2005. Maruna, Roland: Hadersdorf-Weidlingau. Geschichte einer Wiener
Ortsgemeinde. 1998. S. 132.
Lillie, Sophie: Was einmal war. Handbuch der enteigneten Kunstsammlungen Wiens. Wien 2003. S. 397, S. 389.
Alle weiteren Daten: Grundbuch, Bezirksgericht Fünfhaus; Wiener Stadt- und Landesarchiv, Bestand ehem. Gemeinde Hadersdorf-Weidlingau, (B 13).
Zusammenstellung ab 1945: Annamarie Reining, Harald Spirig, 2008 / 2014.