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Ein Jahresrückblick aus dem Schweizer Haus

Ein Jahresrückblick aus der Sicht eines Bewohners des SHH

Zweitausendsechzehn und Ich

Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber bei mir ist es immer so, dass ich im Dezember jedes Jahr darüber nachdenke, was alles im Jahr, das jetzt hinter mir liegt, passiert ist. Es gibt immer positive und negative Dinge. Leider war dieses Jahr teilweise ein sehr negatives Jahr. Wenn man nur darüber nachdenkt, wie viele unschuldige Menschen in Kriegen ermordet worden sind! Dann noch die viele Naturkatastrophen u.s.w.. Ich glaube, das Thema des Jahres ist die Flüchtlingsproblematik. Allein dieses Jahr sind mehrere Millionen Flüchtlinge in Europa eingereist. Viele von ihnen mussten in ihr Heimatland zurückfahren. Und wenn sie irgendwie bleiben durften, können sie in Zukunft nicht arbeiten, weil sie keine Bewilligung zu arbeiten bekommen haben. Diese ganze Prozedur ist ein richtiges Teufelsrad.
 
Andere Menschen sitzen in Ihren zerstörten Städten und müssen um ihr Leben fürchten, auch an Weihnachten fallen Bomben. Das können wir uns gar nicht vorstellen, wie das sein muss. Da lebst du in einer Stadt, die dein Zuhause ist und verlierst alles und sitzt auf einem Schutthaufen, während die ganze Welt feiert und von Frieden und Liebe redet. Die Menschen schenken sich all diese neuen Sachen, die sie sich in den Geschäften gekauft haben und du hast nicht einmal ein Stück Brot zu essen. Das ist furchtbar.
 
Ganz Europa hat in Angst gelebt wegen der vielen Terrorattentate im Jahr 2016, zum Beispiel Frankreich, England, die Ukraine, die Türkei und Spanien. Wenn ihr einmal genau hinschaut, fällt euch auf, dass diese Attentate von jungen Männern ausgeführt werden. In Europa und auf der ganzen Welt haben sich sehr viele Leute radikalisiert und diese Leute sind hauptsächlich Männer zwischen 18 und 35 Jahren. Diese Leute wachsen schon in fragwürdigen Kreisen auf, haben vielleicht keine Perspektive oder werden ausgegrenzt. In manchen Fällen radikalisieren sich diese jungen Männer dann. Die nächsten wichtigsten Themen von 2016 sind für mich Rassismus und Polizeibrutalität. Im Sommer war die ganze Welt schockiert darüber, was in den USA passiert ist. Innerhalb von nur 48 Stunden haben Polizisten zwei Afroamerikaner kaltblütig erschossen. Ich kann nur hoffen, dass 2017 ein angenehmeres und sichereres Jahr wird als es 2016 war.
 
Für mich persönlich war es ein sehr positives und erfolgreiches Jahr. Trotz dessen, dass ich zu Anfang des Jahres noch ein „hoffnungsloser Fall“ von Menschen in meinem Umfeld genannt wurde. Eigentlich war ich der Einzige, der an mich geglaubt hat. Bis Ende März habe ich in einer Notschlafstelle gewohnt. Ich hatte kein Zuhause und war verzweifelt. Danach hatte ich dann ein kleines Zimmer in einem Appartement gemietet. Ich habe mich schon Anfang Februar gemeldet bei der Vorbetreuung des Schweizer Hauses in der Arbeitergasse. Ich habe drei Monate lang darauf gewartet, dass ich endlich stationär aufgenommen werden konnte. Das ist schon meine zweite Therapie. Meine Erste habe ich im Anton-Proksch- Institut absolviert. Es war nicht einfach, wieder alles von vorne anzufangen. Jetzt habe ich schon sechs Monate im SHH hinter mir und ich habe noch dazu um drei Monate verlängert, die ich in der Villa verbringen werde. Ich finde, ich brauche das noch, weil ich mich stabilisieren möchte, damit mein Erfolg ein Dauerhafter bleibt. Bis jetzt funktioniert alles schon viel besser und ich lerne, zurechtzukommen. Ich wünsche euch allen ein sauberes und nüchternes Jahr 2017.
 
Peter
 
(Bewohner des SHH und Redakteur der PatientInnenzeitschrift „Hadersdorfer Therapiekurier“)